"Man darf es ja gar nicht laut sagen, aber..."

12.2.2016

Und dann kommt das, was man zwar sagen darf, aber was keiner hören will. Dass das alles eine Judenverschwörung ist. Oder dass Neger immer so scharf riechen. Oder dass die Moslems ja nur das "christliche Abendland" übernehmen wollen. Oder irgend ein anderer geistiger Dünnpfiff.

 

 

Eines der Erfolgsrezepte von Pediga und Co. ist ja, ständig zu behaupten, man sage ja nur seine Meinung, aber das dürfe man ja gar nicht. Nur denken, nicht sagen. Und deshalb stünden ja auch immer nur Lügen in der Presse... Dabei ist das meiste von dem, was diese Menschen sagen wollen, nicht illegal. Es verstößt gegen kein einziges Gesetz, man kann dafür nicht belangt werden. Man kann durchaus gegen Immigration etwas haben. Man kann es auch schlimm finden, immer mehr Frauen mit Kopftüchern auf der Straße sehen zu müssen. Man darf sogar fordern, auf Flüchtlinge an der Grenze zu schießen. Frauke Petry ist auf freiem Fuß, es ist aufgrund ihrer geschmacklosen Äußerung auch kein Verfahren gegen sie eröffnet worden. Auch nicht gegen Beatrix von Storch, die Petrys Forderung verteidigt hatte und sich bemüßigt fühlte, auch noch hinzuzufügen, dass auch auf Frauen und Kinder geschossen werden solle. Von Storch, eine geborene Herzogin von Oldenburg, ist Mitglied der Europäischen Christichen Bewegung und Enkelin von Hitlers Finanzminister.

 

Ja, diese feinen Damen können ihr zynisches Geschwätz loswerden - ganz offen und in aller Öffentlichkeit. Weil sie es in einem demokratischen Rechtsstaat tun, der die Meinungsfreiheit auch für sie schützt. Sie dürfen sich auch mit Mitteln des Rechtsstaats, den sie ja selber gerne am liebsten abschaffen würden, - aber das lassen sie schlauerweise natürlich nur den braunen Mob auf den Straßen skandieren, die sind ja nicht blöd... - in das Rathaus der Stadt Augsburg klagen, um dort eine Rede zu halten. Vielleicht ja deshalb, weil Adolf Hilter mal Ehrenbürger dieser Stadt gewesen ist... - Wer weiß?

 

Was diese zwei Frauen in den letzten Wochen von sich gegeben haben, ist an Dummheit, Zynismus und Widerwärtigkeit schwer zu überbieten. Aber sie dürfen all das sagen. Und darauf können wir uns alle etwas einbilden, denn die Meinungsfreiheit ist ein kaum zu überschätzendes Gut. Eine Errungenschaft vieler Freiheitskämpfe des Europas der vergangenen Jahrhunderte. Ein Gut übrigens, das sich die "Freidemokraten" ja auch immer gerne ans Revers heften - zusammen mit all den anderen Bürgerrechten, die sie so glorios verteidigen. "Die FDP setzt sich wie keine andere Partei für Freiheit und Bürgerrechte ein." (Eigenwerbung) Sie müsste also am politisch diametral anderen Ende der AfD stehen und sie mit allen gebotenen Mitteln des demokratischen politischen Diskurses bekämpfen. Stattdessen aber übernehmen ihre Kandidaten braunes Gedankengut. Yanki Pürsün, ehem. Stadtverordneter, der sich irgendwie zu langweilen scheint und die FDP wieder aus ihrer selbstverschuldeten Bedeutungslosigkeit in einen der Frankfurter Ortsbeiräte bringen will, forder "Neue Wege statt Denkverbote". Aha. Wer hat dem denn verboten zu denken? Genau dieselben "Mächte" wahrscheinlich, die den Pegidas und AfDlern verboten haben, etwas laut auszusprechen. 

 

 

Die Meinungsfreiheit und -vielfalt zu verteidigen, ist ein hehres und unterstützenswertes Anliegen. Aber das geht ganz sicher besser, indem man nicht so tut, als müsse man gegen einen unsichtbaren Maulkorb kämpfen. Vielleicht aber hat ein geheimes Denkverbot bei Herrn Pürsün ja doch gewirkt. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass er nicht über die fatale Wirkung seines Wahlspruchs nachgedacht hat? 

 

 

Tesla, Model S, Elektromobilität, Elektroauto, Beschleunigung, Oberklasse, Zukunft, sauber

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